Kolumne
 Gaybodensee Kolumne

Hier greifen monatlich im Wechsel diejenigen zur Feder, die diese gleich ihrem Zungenschlag spitz einzusetzen wissen und schonungslos all das durchhecheln, was ihnen gerade auf der Leber brennt. Das Szenegeschehen wird zur Zielscheibe des Klatsch & Tratschs und oft ein gut gehütetes Geheimnis ganz beiläufig gelüftet. Kurzweil, Spannung und aufschlussreiche Erkenntnisse verspricht die Kolumne der Stars und Sternchen, die wir hier einzeln vorstellen.



Gaybodensee Transenparade

 

*** K O L U M N E  Juni 2022 ***



Investment...



Olga Popova

da sitze ich in meiner bescheidenen Kemenate über den Dächern der Altstadt und stelle fest, dass mein Rapsöl verbraucht ist. Hm, man hört im Transistorradio ständig von krisenbedingter Preissteigerung. Benzin trotz Tankrabatt, Weizenmehl, Lebensmittel allgemein und eben auch Raps- oder Sonnenblumenöl. Mit den Gagen läuft es nicht immer rund, aber eine Flasche Speiseöl sollte drin sein. Oder gleich auf Vorrat mehrere Flaschen?
Ich könnte über die Grenze in die Schweiz, dort stehen zumindest noch Ölflaschen aus schweizer Produktion. Zuletzt war beim Supermarkt und Discounter das Regal leergefegt. Stimmt nicht ganz, der Liter kostete bei der letzten Sichtung 3,99 Euro, also 3,00 Euro mehr als einst und damit fast das Doppelte wie 1 Liter Super95 an der Tankstelle.
Rapsöl scheint das neue Spekulationsobjekt zu werden. Kaufe ich 25 Flaschen, sofern erhältlich und steigt der Preis weiter auf 5,99 Euro pro Liter, hätte ich einen Reingewinn bei Wiederverkauf von 50,00 Euro und damit fast das Nachtanken meines bescheidenen Fahrzeugs refinanziert. Funktioniert nur nicht, weil an der Kasse gibt man ja nur haushaltsübliche Mengen ab und in 50 Supermärkte zu eilen, damit die Rechnung aufgeht, ist meinen alten Knochen zu mühsam. Auch das Aufsplitten des Öleinkaufs auf 50 Tage zu je einer Flasche Rapsöl ist zu zeitraubend, da läuft mir die Preissteigerung an der Tankstelle davon.
Ein Haushalt wie der meiner Mitschwestern und mein eigener hat es derzeit nicht leicht.
Ich kann mich erinnern, da war vor nicht allzu langer Zeit einmal Toilettenpapier Gegenstand allgemeiner Begierde. In Toilettenpapier wollte ich aber nie investieren und habe nur für den Eigenverbrauch eingekauft. Die Lage war jedoch eine andere - es ging um Engpässe, nicht um Preisexplosionen und Inflation.
Ausserdem sollte man beobachten, ob nun die portugiesische Corona-Variante um sich greift, ob es Gesundheitsminister Lauterbach gelingt, seine innig zurückersehnte Maskenpflicht wieder einzuführen, weil ihm ja inzwischen kaum jemand mehr zuhört und auch die Einladungen in Talkshows rückläufig sind, dann würden sich die Karten neu mischen, weil dann die heutigen Ladenhüter, Selbsttest-Kits und Masken oder Desinfektionsmittel, boomen könnten.
Ich stelle fest, für gewinnoptimierte Handelsoperationen bin ich nicht geeignet. Also husche ich nun schlicht rüber zum Supermarkt und besorge das was ich benötige, nämlich eine Flasche Rapsöl.
Auch lasse ich das Sinnieren sein und freue mich schlicht auf die diesjährige CSD-Saison, endlich wieder!

Euer strahlender Stern
Olga Popova


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